Wenn es darum geht, menschliche Gesten zu deuten, haben Hunde oft die Nase vorn – doch das liegt vielleicht weniger an der Intelligenz als an der Einstellung der Katzen.
In der Forschung gelten Katzen oft als "schwierige Probanden", die lieber ihren eigenen Kopf durchsetzen als an wissenschaftlichen Tests teilzunehmen. In einer vergleichenden Studie mit 33 Katzen und 21 Hunden gingen Forschende der Frage nach, wie gut beide Spezies menschliche Zeigegesten verstehen und wie sich ihre Kooperationsbereitschaft unterscheidet.
Das Problem mit der Motivation
Die Ergebnisse im Labor waren für die Katzen-Fans erst einmal ernüchternd: Während fast alle Hunde bereitwillig mitmachten, verweigerten viele Katzen die Mitarbeit. Nur 15 der 33 Katzen trafen im Labor überhaupt eine Wahl in mindestens der Hälfte der Durchgänge. Die Hunde hingegen glänzten mit einer hohen Erfolgsquote und ließen sich auch durch die fremde Umgebung nicht beirren. Die Forschenden stellten fest, dass die Bereitschaft der Katzen, überhaupt eine Wahl zu treffen, im Laufe der Versuche im Labor sogar noch abnahm. Sie verloren schlichtweg die Lust an dem Spiel.
Heimvorteil für die Samtpfoten
Doch die Studie hielt eine wichtige Wendung bereit: Wenn die Tests zu Hause in der gewohnten Umgebung durchgeführt wurden, stieg die Kooperationsbereitschaft der Katzen deutlich an. 14 von 19 Katzen machten hier motiviert mit. Das zeigt, dass Katzen extrem sensibel auf ihre Umgebung reagieren. Während ein Hund fast überall für ein Leckerli arbeitet, braucht eine Katze Sicherheit und Vertrautheit, um ihre kognitiven Fähigkeiten überhaupt zu zeigen. Ein weiteres spannendes Detail: Ältere Katzen schnitten in den Tests signifikant besser ab als junge Tiere. Das deutet darauf hin, dass die jahrelange Erfahrung im "Mensch-Lesen" eine entscheidende Rolle spielt.
Intelligenz ist nicht gleich Gehorsam
Die Studie macht deutlich, dass wir die kognitiven Fähigkeiten von Katzen nicht mit denselben Maßstäben messen können wie die von Hunden. Hunde wurden über Jahrtausende darauf selektiert, eng mit uns zusammenzuarbeiten und unsere Befehle zu antizipieren. Katzen hingegen sind "selbstdomestiziert" und haben ihre Unabhängigkeit bewahrt. Dass sie im Labor schlechter abschnitten, liegt also weniger an mangelndem Verständnis für die Geste, sondern an einer geringeren sozialen Motivation, dem Menschen in einer künstlichen Situation zu gefallen.
Was das für Euer Zusammenleben bedeutet
Das heißt für Dich: Nur weil Deine Katze nicht sofort reagiert, wenn Du auf etwas zeigst, bedeutet das nicht, dass sie es nicht versteht. Für Dich bedeutet das, dass Du die Kommunikation mit Deiner Katze als einen Prozess sehen solltest, der auf Vertrauen und der richtigen Umgebung basiert. Katzen sind die Individualisten unter den Haustieren, die ihre Kooperation oft von der Tagesform abhängig machen. Wenn Du Deiner Katze etwas beibringen möchtest, ist der "Heimvorteil" Dein wichtigstes Werkzeug. Und hab Geduld mit den jungen Wilden – die wahre Meisterschaft im Verstehen menschlicher Gesten kommt bei Katzen oft erst mit dem Alter.
Quelle: Salamon et al. (2023). Dogs outperform cats both in their testability and relying on human pointing gestures: a comparative study. Scientific Reports.
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