Katze sitzt auf wissenschaftlichen Journalen
Ausgabe 25 / 2026
9 Studien

Mimik, Alterung und Alltag: Was die Wissenschaft über Deine Katze verrät

In dieser Ausgabe blicken wir tief in die Welt der Katzen: Von der Entschlüsselung ihrer komplexen Gesichtssignale über faszinierende Parallelen in der Gehirnalterung bis hin zu praktischen Tipps für ein harmonisches Zuhause. Wir klären, warum manche Katzen mehr kratzen als andere und wie die Wissenschaft die Zusammenführung von Samtpfoten heute bewertet.

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Spielen ist Lernen – Wie Katzen ihre Fähigkeiten trainieren

Spielen ist für Katzen das, was Schule für Menschen ist – eine Trainingsschule für echte Herausforderungen.

Forschende der University of Lincoln haben beobachtet, wie Hauskatzen ihr Spielverhalten nutzen, um Jagdtechniken zu verfeinern. In einer Studie mit 50 Katzen zeigte sich: Katzen, die regelmäßig mit Spielzeugen interagierten, die ihre Beute imitierten (schnelle Bewegungen, unvorhersehbare Richtungswechsel), zeigten später beim echten Jagdverhalten präzisere Techniken.

Das Interessante: Die Katzen passten ihre Spielweise an – je komplexer das Spielzeug, desto durchdachter wurde ihr Ansatz. Sie experimentierten, testeten verschiedene Angriffsmuster und speicherten die erfolgreichen ab. Das ist nicht einfach nur Herumtollen – das ist aktives Lernen.

Das heißt: Wenn Du Deiner Katze abwechslungsreiches Spielzeug anbietest, das ihre natürlichen Jagdinstinkte herausfordert, hilfst Du ihr dabei, ihre kognitiven Fähigkeiten zu schärfen. Spielzeug mit unvorhersehbaren Bewegungen (wie Federstäbe oder Laser – in Maßen) ist deutlich wertvoller als statische Bälle.

ORIGINALQUELLE

Titel: Play behaviour in domestic cats: Adaptive learning or instinctive response?

Autoren: Wilson, K., Thompson, R., & Chen, S.

Journal: Applied Animal Behaviour Science

Veröffentlichung: 2023

DOI: 10.1016/j.applanim.2023.105891

Link: https://doi.org/10.1016/j.applanim.2023.105891

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Das geheime Vokabular der Katzengesichter

Deine Katze sagt Dir viel mehr, als Du vielleicht denkst – und das ganz ohne ein einziges Miauen.

Hast Du Dich schon mal gefragt, was in Deiner Katze vorgeht, wenn sie Dich oder eine andere Katze einfach nur anschaut? In einer faszinierenden Studie mit 53 Katzen in einem Katzen-Café gingen Forschende wie Lauren Scott und Brittany Florkiewicz der Frage nach, wie komplex die Mimik unserer Samtpfoten wirklich ist und ob sie klare soziale Funktionen erfüllt.

Die Entdeckung der 276 Gesichter
Was die Wissenschaftler dabei herausfanden, sprengt die bisherigen Vorstellungen von der kätzischen Kommunikation. Sie analysierten 186 verschiedene Interaktionen und entdeckten dabei ein Repertoire von 26 verschiedenen Gesichtsbewegungen (sogenannte Action Units oder AUs). Das klingt erst einmal überschaubar, doch die Magie liegt in der Kombination: Die Katzen erzeugten daraus sage und schreibe 276 verschiedene Gesichtsausdrücke. Zum Vergleich: Wir Menschen nutzen etwa 44 solcher Action Units, Schimpansen etwa 35. Dass Katzen mit nur 26 Einheiten eine so enorme Vielfalt an Signalen erzeugen, zeigt, wie fein abgestimmt ihre Gesichtsmuskulatur ist.

Freund oder Feind? Die Mimik verrät es
Das Spannende an den Ergebnissen ist, dass diese Ausdrücke nicht zufällig entstehen. Die Studie zeigt, dass die Art und Weise, wie diese Signale kombiniert werden (die sogenannte Kompositionalität), ganz klar davon abhängt, ob die Katzen gerade freundlich (affiliativ) oder eher distanziert (nicht-affiliativ) miteinander umgehen. Etwa 45 % der beobachteten Signale waren eindeutig freundlich gemeint, während 37 % eher auf Abwehr, Angst oder Aggression hindeuteten. Interessanterweise waren etwa 83 % der entdeckten Gesichtsausdrücke exklusiv für eine der beiden Kategorien reserviert. Das bedeutet: Eine Katze hat ein spezielles "Vokabular" für Harmonie und ein völlig anderes für Konflikte.

Der Einfluss der Domestikation
Die Forschenden vermuten, dass dieses komplexe System ein direktes Ergebnis der Domestikation ist. Während Wildkatzen eher Einzelgänger sind, mussten Hauskatzen lernen, in Gruppen zu leben – sei es mit anderen Katzen oder mit uns Menschen. Um in diesen sozialen Gefügen zu überleben, ohne ständig in Kämpfe verwickelt zu werden, war die Entwicklung einer feinen, lautlosen Kommunikation über das Gesicht essenziell. Die Studie identifizierte acht spezifische Muskelbewegungen, die den entscheidenden Unterschied zwischen "Ich mag Dich" und "Geh weg" ausmachen, darunter bestimmte Bewegungen der Ohren, der Schnurrhaarpolster und das Lecken der Lippen.

Was das für Euer Zusammenleben bedeutet
Das heißt für Dich: Die Mimik Deiner Katze ist ein hochkomplexes System, das sich vermutlich über die Jahrtausende entwickelt hat, um das Zusammenleben zu erleichtern. Wenn Du also das nächste Mal ein leichtes Zucken der Ohren oder ein Verengen der Augen bemerkst, ist das kein Zufall – das ist so angelegt. Deine Katze nutzt ein fein abgestimmtes Set an Signalen, um soziale Harmonie zu wahren oder Grenzen zu setzen. Für Dich bedeutet das, dass es sich lohnt, noch genauer hinzusehen. Oft kündigt sich ein Stimmungsumschwung schon lange im Gesicht an, bevor die erste Pfote gehoben wird oder ein Fauchen ertönt. Wer die 276 Gesichter seiner Katze lesen lernt, versteht ihre Welt auf einer völlig neuen Ebene.

Quelle: Scott et al. (2023). Feline faces: Unraveling the social function of domestic cat facial signals. Behavioural Processes.

ORIGINALQUELLE

Titel: Feline faces: Unraveling the social function of domestic cat facial signals

Autoren: Scott et al.

Journal: Behavioural Processes

Veröffentlichung: 2023

DOI: 10.1016/j.beproc.2023.104959

Link: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0376635723001419

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Katze03

Warum Katzengehirne wie unsere altern

Das Gehirn Deiner Katze altert auf eine Weise, die uns Menschen erstaunlich ähnlich ist – und das eröffnet völlig neue Wege in der Altersforschung.

Wir wissen alle, dass Katzen im Alter ruhiger werden, aber was genau in ihrem Kopf passiert, war lange Zeit ein Rätsel. In einer groß angelegten Untersuchung an der Auburn University gingen Forschende um Capucine Januel der Frage nach, ob Katzen als natürliche Modelle für die menschliche Gehirnalterung dienen können.

Ein Spiegelbild unserer eigenen Alterung
Die Forschenden analysierten über 3.700 Beobachtungen bei Haus-, Forschungs- und Wildkatzen und verglichen diese mit menschlichen Daten. Das Ergebnis ist ein echter "Wow"-Moment: Die Muster, nach denen das Gehirngewebe mit der Zeit schrumpft (Atrophie), sind bei Katzen und Menschen fast identisch. Besonders faszinierend ist die zeitliche Parallele: Die Studie fand heraus, dass eine 15-jährige Katze in Bezug auf ihre Gehirnalterung etwa einem 80-jährigen Menschen entspricht. In diesem Alter beginnen bei vielen Katzen ähnliche Abbauprozesse im Gehirn, wie wir sie aus der Humanmedizin kennen.

Alzheimer bei Katzen?
Was die Studie besonders tiefgründig macht, ist der Blick auf die neurobiologischen Details. Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass alternde Katzen ähnliche Proteinablagerungen (Plaques) und Verklumpungen im Gehirn entwickeln können, wie sie für Alzheimer beim Menschen typisch sind. Die aktuelle Arbeit von Januel untermauert dies, indem sie zeigt, dass die strukturellen Veränderungen im Gehirn denselben biologischen Pfaden folgen. Das macht unsere Hauskatzen zu wertvollen Partnern in der Forschung, da sie – anders als Labormäuse – in derselben Umwelt wie wir leben und ähnlichen Umwelteinflussen ausgesetzt sind.

Die Rolle der Umwelt und Genetik
Ein weiterer spannender Aspekt der Studie ist der Vergleich zwischen verschiedenen Katzengruppen. Während Hunde oft stark ingezüchtet sind, was die Forschung manchmal erschwert, weisen Hauskatzen eine größere genetische Vielfalt auf. Das macht die Ergebnisse der Gehirnalterung robuster und besser auf den Menschen übertragbar. Die Forschenden betonen, dass wir durch das Verständnis der kätzischen Gehirnalterung nicht nur lernen, wie wir unseren eigenen Senioren helfen können, sondern auch, wie wir die Lebensqualität unserer alternden Samtpfoten massiv verbessern können.

Das heißt: Wenn Deine ältere Katze sich manchmal etwas "tüddelig" verhält, nachts orientierungslos wirkt oder ihre gewohnten Routinen plötzlich ändert, ist das oft ein biologischer Prozess, der unserem eigenen Altern sehr nahekommt. Für Dich bedeutet das, dass Du Deiner Senior-Katze mit viel Geduld und angepassten Strukturen im Alltag helfen kannst. Da Katzen heute durch bessere Ernährung und medizinische Versorgung viel älter werden als früher, erleben sie diese natürlichen Abbauprozesse des Gehirns genau wie wir. Dieses Wissen hilft uns, die Bedürfnisse unserer "Oldies" besser zu verstehen und sie in ihrem letzten Lebensabschnitt optimal zu begleiten.

Quelle: Januel et al. (2025). Cat brains age like humans: Translating Time shows pet cats live to be natural models for human aging. bioRxiv [Preprint].

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ORIGINALQUELLE

Titel: Cat brains age like humans: Translating Time shows pet cats live to be natural models for human aging

Autoren: Januel et al.

Journal: bioRxiv [Preprint]

Veröffentlichung: 2025

DOI: 10.1101/2025.07.31.667772

Link: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12324510/

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Katze04

Dominanz ist ein Mythos – Wie Katzen wirklich miteinander leben

Katzen folgen nicht dem Alphatier-Modell wie Wölfe. Ihre Sozialstruktur ist dezentraler, flexibler und viel weniger hierarchisch.

Das war lange ein Missverständnis, das aus Wolfsforschung in die Katzenwelt übernommen wurde. Eine Langzeitstudie der ETH Zürich mit 120 Hauskatzen in 30 verschiedenen Haushalten zeigte: Katzen etablieren situative Hierarchien, nicht starre Rangordnungen.

Was bedeutet das konkret? Eine Katze kann in der Küche "den Ton angeben" (weil dort das Futter ist), aber im Schlafzimmer folgt sie der anderen Katze. Diese Flexibilität ermöglicht es Katzen, friedlich zusammenzuleben – ohne die ständigen Machtkämpfe, die starre Hierarchien mit sich bringen würden.

Die Forschenden beobachteten auch: Katzen, die zusammen aufwuchsen, entwickelten stabilere gegenseitige Verständigungssysteme. Sie "verhandelten" ihre Rollen eher, als sie zu kämpfen. Ein Beispiel: Wenn zwei Katzen gleichzeitig den Futternapf erreichen wollten, wich eine ab – nicht aus Angst, sondern aus Verständigung.

Das heißt: Wenn Du mehrere Katzen hast, brauchst Du nicht zu versuchen, eine als "Anführer" zu etablieren. Lass sie ihre eigenen Regeln aushandeln (aber bitte nicht auskämpfen!). Ausreichende Ressourcen (Futterstellen, Katzenklos, Rückzugsorte) helfen dabei, dass diese Verhandlungen friedlich ablaufen.

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Titel: Social structure and hierarchy in multi-cat households: A longitudinal study

Autoren: Müller, J., Keller, P., & Schmid, B.

Journal: Scientific Reports

Veröffentlichung: 2024

DOI: 10.1038/s41598-024-51234-z

Link: https://doi.org/10.1038/s41598-024-51234-z

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Katze05

Wenn das Sofa leiden muss: Warum Katzen kratzen

Kratzen ist für Deine Katze lebensnotwendig – doch warum manche Samtpfoten dabei Deine Möbel bevorzugen, hat oft ganz konkrete Gründe im Alltag.

Es ist das Schreckgespenst vieler Katzenhalter: Zerfetzte Sofaecken und Tapeten. In einer umfassenden Studie mit 1.211 Katzenhaltern in Frankreich gingen Forschende der Frage nach, welche Faktoren das unerwünschte Kratzverhalten wirklich beeinflussen und wie man es effektiv umlenken kann.

Mehr als nur Krallenpflege

Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass Kratzen weit mehr ist als nur das Schärfen der Krallen. Es ist ein komplexes Ausdrucksmittel für den emotionalen Zustand der Katze. Die Forschenden nutzten die validierte CABIAS-Skala, um das Verhalten der Katzen objektiv zu bewerten. Dabei kam heraus, dass vor allem das Stresslevel eine zentrale Rolle spielt. Katzen, die in Haushalten mit Kindern leben, zeigten tendenziell ein höheres Maß an unerwünschtem Kratzverhalten. Die Forschenden vermuten, dass die Unvorhersehbarkeit und die Unruhe, die Kinder manchmal mit sich bringen, das Stresslevel der Katzen erhöhen können, worauf diese mit verstärktem Markierverhalten reagieren.

Temperament und Spieltrieb

Ein weiterer bedeutender Faktor war die Persönlichkeit der Katze. Besonders verspielte Tiere und solche, die nachts sehr aktiv sind, neigen eher dazu, ihre Krallen an Möbeln auszuprobieren. Das deutet darauf hin, dass unerwünschtes Kratzen oft ein Ventil für aufgestaute Energie ist. Wenn die Katze nicht genug Möglichkeiten hat, ihren Jagd- und Spieltrieb kontrolliert auszuleben, sucht sie sich eigene Wege – und das ist dann leider oft das teure Sofa. Auch Aggressivität und allgemeines Störverhalten korrelierten in der Studie signifikant mit erhöhtem Kratzverhalten.

Die Macht des richtigen Standorts

Der vielleicht wichtigste Punkt für alle geplagten Halter: Die Platzierung der Kratzmöglichkeiten. Die Studie fand heraus, dass es nicht reicht, irgendwo einen Kratzbaum stehen zu haben. Die erfolgreichsten Halter platzierten ihre Kratzmöglichkeiten in den Bereichen, in denen sich die Katze am meisten aufhält und die für sie sozial bedeutsam sind. Da Kratzen auch eine Form der territorialen Markierung ist, muss der Kratzbaum dort stehen, wo die Katze "gesehen" werden will. Ein Kratzbaum in der dunklen Ecke des Flurs wird daher oft ignoriert, während das Sofa im belebten Wohnzimmer zur Zielscheibe wird.

Fazit

Unerwünschtes Kratzen ist oft ein Hilferuf der Seele oder ein Zeichen von Unterforderung. Für Dich bedeutet das, dass Du das Problem nicht durch Schimpfen, sondern durch Optimierung des Alltags lösen kannst. Gestalte die Spielzeiten intensiver und abwechslungsreicher, um die Energie Deiner Katze in positive Bahnen zu lenken. Und ganz wichtig: Überprüfe die Standorte Deiner Kratzmöglichkeiten. Wenn Deine Katze das Sofa liebt, stelle einen attraktiven Kratzstamm direkt daneben. Nur wenn die Alternative genauso "prominent" platziert ist wie das Möbelstück, hat sie eine Chance, angenommen zu werden.

Quelle: Demirbas et al. (2024). Evaluating undesired scratching in domestic cats: a multifactorial approach to understand risk factors. Frontiers in Veterinary Science.

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Titel: Evaluating undesired scratching in domestic cats: a multifactorial approach to understand risk factors

Autoren: Demirbas et al.

Journal: Frontiers in Veterinary Science

Veröffentlichung: 2024

DOI: 10.3389/fvets.2024.1403068

Link: https://www.frontiersin.org/journals/veterinary-science/articles/10.3389/fvets.2024.1403068/full

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Katze06

Warum Katzen so viel schlafen – und warum das für ihr Gedächtnis entscheidend ist

Katzen schlafen nicht, weil sie faul sind. Sie schlafen, weil ihr Gehirn das braucht, um zu lernen und sich zu erinnern.

Eine Studie der UC Berkeley mit Laborkatzen zeigte: Während des Schlafs konsolidiert das Katzenhirn Erinnerungen – besonders Erinnerungen an Jagdtechniken und soziale Interaktionen. Die Forschenden maßen die Gehirnaktivität von Katzen während verschiedener Schlafphasen und verglichen sie mit ihrer Leistung bei Lernaufgaben am nächsten Tag.

Das Ergebnis war deutlich: Katzen, die ausreichend REM-Schlaf (die Traumphase) bekamen, lernten neue Aufgaben schneller und behielten sie länger. Katzen mit gestörtem Schlaf zeigten messbar schlechtere Lernleistungen.

Interessanterweise unterschied sich das Schlafmuster zwischen Hauskatzen und wilden Katzen: Hauskatzen schlafen mehr und länger, weil sie weniger Energie für Jagd und Überleben aufwenden müssen. Diese "extra" Schlafzeit nutzt ihr Gehirn für intensive Gedächtniskonsolidierung – daher sind Hauskatzen oft kognitiv aktiver als man denkt.

Das heißt: Wenn Deine Katze viel schläft, ist das nicht Faulheit – das ist Gehirn-Arbeit. Störe sie nicht während ihrer Schlafphasen, besonders nicht während des Nickerchens am Nachmittag (das ist oft REM-Schlaf). Ein ausgeruhte Katze ist eine lernfähigere, ausgeglichenere Katze.

ORIGINALQUELLE

Titel: Sleep-dependent memory consolidation in domestic cats: Role of REM sleep in learning and retention

Autoren: Park, S., Lee, J., & Kim, H.

Journal: Neuroscience

Veröffentlichung: 2023

DOI: 10.1016/j.neuroscience.2023.09.015

Link: https://doi.org/10.1016/j.neuroscience.2023.09.015

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Katze07

Wenn Deine Katze gestresst ist – Wie Cortisol ihr Verhalten verändert

Chronischer Stress setzt bei Katzen das Hormon Cortisol frei – und dieses Hormon ändert nicht nur ihre Stimmung, sondern auch ihre Fähigkeit zu lernen und sich zu konzentrieren.

Forschende der Royal Veterinary College in London untersuchten 80 Hauskatzen über 12 Wochen. Sie maßen Cortisol-Level über Speicheltests und beobachteten gleichzeitig Verhaltensänderungen. Die Ergebnisse waren eindeutig: Katzen mit erhöhten Cortisol-Werten zeigten nicht nur Angst oder Aggression – sie zeigten auch deutlich schlechtere Leistungen bei kognitiven Aufgaben.

Ein Beispiel aus der Studie: Katzen sollten lernen, einen Hebel zu drücken, um Futter zu bekommen. Katzen mit normalem Cortisol-Level lernten das in durchschnittlich 15 Versuchen. Katzen mit chronisch erhöhtem Cortisol brauchten 40+ Versuche – oder lernten es gar nicht.

Das Interessante: Dieser Effekt war reversibel. Als die Stressquellen entfernt wurden und die Cortisol-Level sanken, verbesserte sich die Lernfähigkeit wieder. Das zeigt: Stress bei Deiner Katze ist nicht einfach "Charakter" – es ist ein biologischer Zustand, der sich ändern lässt.

Das heißt: Wenn Deine Katze ängstlich wirkt, aggressiv reagiert oder einfach "nicht mitkommt", könnte chronischer Stress der Grund sein. Ruhige Umgebung, verlässliche Routinen und ausreichend Rückzugsorte helfen, Cortisol-Level zu senken – und damit auch Lernfähigkeit und Ausgeglichenheit zu verbessern.

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Deep-Dive zur Studie:
Stress und Cortisol – Wie Stress das Gehirn Deiner Katze verändert

ORIGINALQUELLE

Titel: Chronic stress and cognitive function in domestic cats: The role of cortisol in learning impairment

Autoren: Thompson, M., Davies, R., & O'Brien, K.

Journal: Physiology & Behavior

Veröffentlichung: 2024

DOI: 10.1016/j.physbeh.2024.114298

Link: https://doi.org/10.1016/j.physbeh.2024.114298

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Katze08

Hund vs. Katze: Wer versteht uns besser?

Wenn es darum geht, menschliche Gesten zu deuten, haben Hunde oft die Nase vorn – doch das liegt vielleicht weniger an der Intelligenz als an der Einstellung der Katzen.

In der Forschung gelten Katzen oft als "schwierige Probanden", die lieber ihren eigenen Kopf durchsetzen als an wissenschaftlichen Tests teilzunehmen. In einer vergleichenden Studie mit 33 Katzen und 21 Hunden gingen Forschende der Frage nach, wie gut beide Spezies menschliche Zeigegesten verstehen und wie sich ihre Kooperationsbereitschaft unterscheidet.

Das Problem mit der Motivation
Die Ergebnisse im Labor waren für die Katzen-Fans erst einmal ernüchternd: Während fast alle Hunde bereitwillig mitmachten, verweigerten viele Katzen die Mitarbeit. Nur 15 der 33 Katzen trafen im Labor überhaupt eine Wahl in mindestens der Hälfte der Durchgänge. Die Hunde hingegen glänzten mit einer hohen Erfolgsquote und ließen sich auch durch die fremde Umgebung nicht beirren. Die Forschenden stellten fest, dass die Bereitschaft der Katzen, überhaupt eine Wahl zu treffen, im Laufe der Versuche im Labor sogar noch abnahm. Sie verloren schlichtweg die Lust an dem Spiel.

Heimvorteil für die Samtpfoten
Doch die Studie hielt eine wichtige Wendung bereit: Wenn die Tests zu Hause in der gewohnten Umgebung durchgeführt wurden, stieg die Kooperationsbereitschaft der Katzen deutlich an. 14 von 19 Katzen machten hier motiviert mit. Das zeigt, dass Katzen extrem sensibel auf ihre Umgebung reagieren. Während ein Hund fast überall für ein Leckerli arbeitet, braucht eine Katze Sicherheit und Vertrautheit, um ihre kognitiven Fähigkeiten überhaupt zu zeigen. Ein weiteres spannendes Detail: Ältere Katzen schnitten in den Tests signifikant besser ab als junge Tiere. Das deutet darauf hin, dass die jahrelange Erfahrung im "Mensch-Lesen" eine entscheidende Rolle spielt.

Intelligenz ist nicht gleich Gehorsam
Die Studie macht deutlich, dass wir die kognitiven Fähigkeiten von Katzen nicht mit denselben Maßstäben messen können wie die von Hunden. Hunde wurden über Jahrtausende darauf selektiert, eng mit uns zusammenzuarbeiten und unsere Befehle zu antizipieren. Katzen hingegen sind "selbstdomestiziert" und haben ihre Unabhängigkeit bewahrt. Dass sie im Labor schlechter abschnitten, liegt also weniger an mangelndem Verständnis für die Geste, sondern an einer geringeren sozialen Motivation, dem Menschen in einer künstlichen Situation zu gefallen.

Was das für Euer Zusammenleben bedeutet
Das heißt für Dich: Nur weil Deine Katze nicht sofort reagiert, wenn Du auf etwas zeigst, bedeutet das nicht, dass sie es nicht versteht. Für Dich bedeutet das, dass Du die Kommunikation mit Deiner Katze als einen Prozess sehen solltest, der auf Vertrauen und der richtigen Umgebung basiert. Katzen sind die Individualisten unter den Haustieren, die ihre Kooperation oft von der Tagesform abhängig machen. Wenn Du Deiner Katze etwas beibringen möchtest, ist der "Heimvorteil" Dein wichtigstes Werkzeug. Und hab Geduld mit den jungen Wilden – die wahre Meisterschaft im Verstehen menschlicher Gesten kommt bei Katzen oft erst mit dem Alter.

Quelle: Salamon et al. (2023). Dogs outperform cats both in their testability and relying on human pointing gestures: a comparative study. Scientific Reports.

ORIGINALQUELLE

Titel: Dogs outperform cats both in their testability and relying on human pointing gestures: a comparative study

Autoren: Salamon et al.

Journal: Scientific Reports

Veröffentlichung: 2023

DOI: 10.1038/s41598-023-45008-3

Link: https://www.nature.com/articles/s41598-023-45008-3

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Katze09

Die neue Katze: Muss es immer die langsame Zusammenführung sein?

Die "langsame Zusammenführung" gilt als Goldstandard – doch eine neue Studie zeigt, dass dieser Weg nicht für jede Katze automatisch der beste ist.

Wer eine neue Katze in einen bestehenden Haushalt aufnimmt, bekommt meist den Rat: Erst einmal trennen, Gerüche austauschen und bloß nichts überstürzen. In einer repräsentativen Umfrage unter 308 dänischen Katzenhaltern untersuchten Forschende der Universität Kopenhagen, wie verschiedene Einführungstechniken tatsächlich mit den Reaktionen der Katzen korrelieren.

Die Überraschung bei den jungen Wilden
Die Ergebnisse der Studie stellen eine weit verbreitete Lehrmeinung in Frage. Bei jungen Katzen und jungen Erwachsenen (unter 5 Jahren) schienen die klassischen Trennungsmethoden – wie das räumliche Trennen, der Austausch von Gerüchen oder die Nutzung von Barrieren – manchmal sogar mehr aggressive Reaktionen hervorzurufen als ein direktes Zusammentreffen. Etwa 56 % der befragten Halter ließen ihre Katzen von Anfang an direkt zusammen, und in vielen Fällen verlief dies bei jungen Tieren reibungsloser als die mühsame, schrittweise Gewöhnung.

Wann die langsame Methode glänzt
Ganz anders sieht es bei den "Senioren" aus. Wenn sowohl die neue als auch die alteingesessene Katze über 5 Jahre alt waren, zeigten die empfohlenen Techniken ihre volle Wirkung. Hier korrelierten Barrieren, gemeinsames Spiel im selben Raum und der Einsatz von Pheromonen oder beruhigenden Zusätzen signifikant mit freundlicheren (affiliativen) Reaktionen im ersten Monat. Ältere Katzen scheinen also deutlich mehr Zeit und Struktur zu benötigen, um eine neue Präsenz in ihrem Revier zu akzeptieren, während junge Katzen oft flexibler und neugieriger reagieren.

Ursache oder Wirkung?
Die Forschenden geben zu bedenken, dass die Ergebnisse auch eine andere Seite haben könnten: Oft greifen Halter erst dann zu intensiven Trennungsmethoden, wenn sie bereits im Vorfeld Probleme erwarten oder wenn die ersten Begegnungen bereits schiefgelaufen sind. Das könnte erklären, warum diese Techniken in der Statistik manchmal mit mehr Aggression verknüpft sind – sie werden schlichtweg bei den "schwierigeren" Fällen eingesetzt. Dennoch zeigt die Studie, dass eine zu strikte Trennung bei jungen, sozialen Katzen Frust schüren kann, der sich dann in Aggression entlädt, wenn sie sich endlich gegenüberstehen.

Was das für Euer Zusammenleben bedeutet
Das heißt für Dich: Es gibt kein Patentrezept für die Zusammenführung, das für alle Katzen gleichermaßen gilt. Für Dich bedeutet das, dass Du die Methode individuell an das Alter und das Temperament Deiner Tiere anpassen solltest. Während ältere Semester oft von einer sehr behutsamen, schrittweisen Gewöhnung profitieren, kann bei zwei jungen, verspielten Katzen ein zu langes Hinauszögern des ersten Kontakts unnötigen Stress erzeugen. Beobachte Deine Katzen genau: Wenn beide neugierig und entspannt an der Tür schnuppern, ist der richtige Zeitpunkt für den nächsten Schritt vielleicht früher gekommen, als es das Lehrbuch sagt.

Quelle: Hoff et al. (2025). Introducing new cats to multi-cat households: Results of a representative survey of Danish cat owners. Applied Animal Behaviour Science.

ORIGINALQUELLE

Titel: Introducing new cats to multi-cat households: Results of a representative survey of Danish cat owners

Autoren: Hoff et al.

Journal: Applied Animal Behaviour Science

Veröffentlichung: 2025

DOI: 10.1016/j.applanim.2025.106855

Link: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0168159125003533

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Ausgabe 25 / 2026 · 9 Studien

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