Die "langsame Zusammenführung" gilt als Goldstandard – doch eine neue Studie zeigt, dass dieser Weg nicht für jede Katze automatisch der beste ist.
Wer eine neue Katze in einen bestehenden Haushalt aufnimmt, bekommt meist den Rat: Erst einmal trennen, Gerüche austauschen und bloß nichts überstürzen. In einer repräsentativen Umfrage unter 308 dänischen Katzenhaltern untersuchten Forschende der Universität Kopenhagen, wie verschiedene Einführungstechniken tatsächlich mit den Reaktionen der Katzen korrelieren.
Die Überraschung bei den jungen Wilden
Die Ergebnisse der Studie stellen eine weit verbreitete Lehrmeinung in Frage. Bei jungen Katzen und jungen Erwachsenen (unter 5 Jahren) schienen die klassischen Trennungsmethoden – wie das räumliche Trennen, der Austausch von Gerüchen oder die Nutzung von Barrieren – manchmal sogar mehr aggressive Reaktionen hervorzurufen als ein direktes Zusammentreffen. Etwa 56 % der befragten Halter ließen ihre Katzen von Anfang an direkt zusammen, und in vielen Fällen verlief dies bei jungen Tieren reibungsloser als die mühsame, schrittweise Gewöhnung.
Wann die langsame Methode glänzt
Ganz anders sieht es bei den "Senioren" aus. Wenn sowohl die neue als auch die alteingesessene Katze über 5 Jahre alt waren, zeigten die empfohlenen Techniken ihre volle Wirkung. Hier korrelierten Barrieren, gemeinsames Spiel im selben Raum und der Einsatz von Pheromonen oder beruhigenden Zusätzen signifikant mit freundlicheren (affiliativen) Reaktionen im ersten Monat. Ältere Katzen scheinen also deutlich mehr Zeit und Struktur zu benötigen, um eine neue Präsenz in ihrem Revier zu akzeptieren, während junge Katzen oft flexibler und neugieriger reagieren.
Ursache oder Wirkung?
Die Forschenden geben zu bedenken, dass die Ergebnisse auch eine andere Seite haben könnten: Oft greifen Halter erst dann zu intensiven Trennungsmethoden, wenn sie bereits im Vorfeld Probleme erwarten oder wenn die ersten Begegnungen bereits schiefgelaufen sind. Das könnte erklären, warum diese Techniken in der Statistik manchmal mit mehr Aggression verknüpft sind – sie werden schlichtweg bei den "schwierigeren" Fällen eingesetzt. Dennoch zeigt die Studie, dass eine zu strikte Trennung bei jungen, sozialen Katzen Frust schüren kann, der sich dann in Aggression entlädt, wenn sie sich endlich gegenüberstehen.
Was das für Euer Zusammenleben bedeutet
Das heißt für Dich: Es gibt kein Patentrezept für die Zusammenführung, das für alle Katzen gleichermaßen gilt. Für Dich bedeutet das, dass Du die Methode individuell an das Alter und das Temperament Deiner Tiere anpassen solltest. Während ältere Semester oft von einer sehr behutsamen, schrittweisen Gewöhnung profitieren, kann bei zwei jungen, verspielten Katzen ein zu langes Hinauszögern des ersten Kontakts unnötigen Stress erzeugen. Beobachte Deine Katzen genau: Wenn beide neugierig und entspannt an der Tür schnuppern, ist der richtige Zeitpunkt für den nächsten Schritt vielleicht früher gekommen, als es das Lehrbuch sagt.
Quelle: Hoff et al. (2025). Introducing new cats to multi-cat households: Results of a representative survey of Danish cat owners. Applied Animal Behaviour Science.
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