01Objektpermanenz – Wenn Deine Katze die Welt versteht (und manchmal nicht)
Deine Katze versteht, dass Dinge existieren, auch wenn sie sie nicht sehen kann – aber nur unter bestimmten Bedingungen. Und manchmal gibt sie einfach auf.
Wenn Du einen Ball unter einer Decke versteckst und Deine Katze zusieht, weiß sie, dass der Ball noch da ist. Das nennt sich Objektpermanenz – eine der grundlegenden kognitiven Fähigkeiten, die auch Menschenbabys entwickeln. Aber wie weit geht dieses Verständnis wirklich? Forscher der University of Sussex haben 18 Hauskatzen in ihren eigenen Wohnzimmern getestet und dabei herausgefunden, dass Katzen viel weniger verstehen als wir dachten.
Das Experiment
In einer Studie mit 18 Katzen wurde ein einfaches Spiel gespielt: Ein Spielzeug wurde offensichtlich in einer von zwei Schachteln versteckt, während die Katze zusah. Dann sollte die Katze die richtige Schachtel finden. Das klingt einfach – aber nur 56 Prozent der Katzen fanden das Spielzeug überhaupt. Noch überraschender: 42 Prozent der Katzen, die das Spielzeug nicht fanden, versuchten es nicht einmal. Sie gaben einfach auf.
Warum das Experiment so wichtig ist
Die Forscher testeten auch, ob es einen Unterschied machte, wer das Spielzeug versteckte – der Besitzer oder ein Fremder. Und tatsächlich: Katzen zeigten mehr Interesse, wenn der Besitzer das Spielzeug versteckt hatte. Das deutet darauf hin, dass Vertrauen und Beziehung eine Rolle spielen. Noch interessanter: Die Katze, die das Spielzeug nicht fand, zeigte mehr Interesse an den Schachteln, wenn ein Fremder sie manipuliert hatte. Das könnte bedeuten, dass Katzen nicht einfach nur das Spielzeug suchen – sie versuchen zu verstehen, was die Person tut.
Was das für Dich bedeutet
Das bedeutet für Dich: Deine Katze ist nicht faul oder dumm, wenn sie das versteckte Spielzeug nicht findet. Sie könnte einfach das Vertrauen nicht haben, dass es dort ist. Oder sie könnte die Situation als zu komplex empfinden. Katzen sind nicht wie Hunde – sie sind nicht automatisch motiviert, ein Spiel zu spielen, nur weil ein Mensch es vorschlägt. Das bedeutet auch: Wenn Du mit Deiner Katze spielen möchtest, ist Vertrauen wichtiger als Tricks. Eine Katze, die Dir vertraut, wird sich mehr anstrengen, Deine Spielzeuge zu finden. Eine Katze, die unsicher ist, wird sich zurückziehen. Die Studie zeigt auch etwas Tieferes: Katzen sind nicht einfach kleine Raubtiere mit Instinkten. Sie sind denkende Wesen, die ihre Umgebung bewerten, Menschen einschätzen und Entscheidungen treffen, ob es sich lohnt, sich anzustrengen. Das ist Kognition auf einer ganz anderen Ebene.
Titel: Object permanence in domestic cats (Felis catus) using violation-of-expectancy by owner and stranger
Autoren: Jemma Forman, Jordan S. Rowe, David A. Leavens
Journal: PLOS One
Veröffentlichung: 2025
DOI: 10.1371/journal.pone.0312225
Link: https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0312225
