30 Hauskatzen wurden gleichzeitig drei Geruchsproben präsentiert: die ihres Besitzers, die einer unbekannten Person und eine leere Kontrolle. Ergebnis: Katzen schnüffelten länger an fremden Gerüchen – und nutzten dabei beim ersten Kontakt bevorzugt das rechte Nasenloch.
Katzen können ihren Besitzer am Geruch von Fremden unterscheiden. Das zeigt eine Studie der Tokyo University of Agriculture (2025), die 30 Hauskatzen gleichzeitig drei Geruchsproben präsentierte: die ihres Besitzers, die einer unbekannten Person gleichen Geschlechts und eine leere Kontrolle. Das Ergebnis war eindeutig: Die Katzen schnüffelten deutlich länger an fremden Gerüchen als an dem ihres Besitzers – sie unterscheiden Menschen also über die Nase.
Noch faszinierender war der Befund zur Nasenloch-Nutzung. Beim ersten Kontakt mit einem unbekannten Geruch nutzten die Katzen bevorzugt das rechte Nasenloch. Nach wiederholtem Schnüffeln wechselten sie zur linken Seite. Das ist kein Zufall: Die rechte Gehirnhälfte – die über das rechte* Nasenloch Informationen erhält – ist bei vielen Wirbeltieren für die Verarbeitung von Neuem und potenziell Bedrohlichem zuständig. Sobald der Geruch als 'harmlos' eingestuft wurde, übernahm die linke Gehirnhälfte.
Die Studie zeigt außerdem: Katzen mit höheren Neurotizismus-Werten schnüffelten häufiger und unruhiger. Katzen mit hoher Verträglichkeit näherten sich ruhiger. Die Persönlichkeit beeinflusst also, wie eine Katze auf Fremdes reagiert – nicht nur im Verhalten, sondern bis in die Nasennutzung hinein.
Das rechte Nasenloch als 'Erstkontakt-Sensor' ist dabei kein Katzen-Spezifikum. Ähnliche Lateralisierungen wurden bei Hunden, Pferden und sogar Insekten beobachtet. Es scheint ein tief verwurzeltes neurologisches Prinzip zu sein: Neues und potenziell Gefährliches wird zuerst von der rechten Hemisphäre bewertet – die schneller und direkter auf Bedrohungen reagiert.
*) Man kennt das ja vom Sehen, Hören, Greifen etc., dass die sensorischen Informationen einer Körperhälfte in der Gehirn-Hemisphäre der anderen Seite verarbeitet wird. Beim Riechen ist das nicht der Fall. Hier gelangen die Informationen des rechten Nasenlochs zur rechten Gehirnhälfte und die des linken Nasenlochs zur linken Gehirnhälfte.
Wir wissen, dass Katzen eine außergewöhnliche Nase haben – aber dass sie dabei auch noch seitenspezifisch vorgehen, je nachdem ob etwas neu oder vertraut ist, das ist eine neue Dimension. Es zeigt, wie tief die Verarbeitung sozialer Informationen bei Katzen geht. Und es erklärt, warum manche Katzen bei Besuchern sofort schnüffeln, während andere auf Abstand bleiben – das ist keine Laune, das ist Neurologie.
Wenn eine neue Person ins Haus kommt und Deine Katze zuerst intensiv schnüffelt und dabei den Kopf leicht neigt – das ist kein Misstrauen, das ist Informationsverarbeitung. Lass ihr Zeit. Ein getragenes T-Shirt des Besuchers vor dem ersten Treffen in der Wohnung zu lassen, kann helfen: Die Katze kann sich schon mal 'vorstellen' lassen.
Hast Du schon beobachtet, dass Deine Katze bei manchen Besuchern sofort schnüffelt und bei anderen eher auf Abstand bleibt? Könnte das mit dem Geruch zusammenhängen?
Deine Katze hat Dich längst 'gerochen' – und weiß genau, wer Du bist, bevor Du das Zimmer betrittst.
Was wir als 'Misstrauen' lesen, ist oft einfach Gehirnarbeit: Die Katze verarbeitet gerade, ob jemand sicher ist.

