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Katze sitzt auf wissenschaftlichen Journalen
Ausgabe 13
1. April 2026
3 Erkenntnisse

Geruch, Trauer und Schlaf – drei Fenster in die Katzenwelt

Katzen erschnüffeln Fremde mit dem rechten Nasenloch, trauern nach dem Tod eines Mittieres – und schlafen bevorzugt links, weil ihr Gehirn das so will. Drei Studien, die zeigen, wie viel in einer Katze vorgeht.

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Katzen erschnüffeln Fremdes anders als Vertrautes – und ihr Gehirn folgt dabei einem klaren Muster

Katzen können ihren Besitzer am Geruch von Fremden unterscheiden. Das zeigt eine Studie der Tokyo University of Agriculture (2025), die 30 Hauskatzen gleichzeitig drei Geruchsproben präsentierte: die ihres Besitzers, die einer unbekannten Person gleichen Geschlechts und eine leere Kontrolle. Das Ergebnis war eindeutig: Die Katzen schnüffelten deutlich länger an fremden Gerüchen als an dem ihres Besitzers – sie unterscheiden Menschen also über die Nase.

Noch faszinierender war der Befund zur Nasenloch-Nutzung. Beim ersten Kontakt mit einem unbekannten Geruch nutzten die Katzen bevorzugt das rechte Nasenloch. Nach wiederholtem Schnüffeln wechselten sie zur linken Seite. Das ist kein Zufall: Die rechte Gehirnhälfte – die über das rechte Nasenloch Informationen erhält – ist bei vielen Wirbeltieren für die Verarbeitung von Neuem und potenziell Bedrohlichem zuständig. Sobald der Geruch als 'harmlos' eingestuft wurde, übernahm die linke Gehirnhälfte.

Die Studie zeigt außerdem: Katzen mit höheren Neurotizismus-Werten schnüffelten häufiger und unruhiger. Katzen mit hoher Verträglichkeit näherten sich ruhiger. Die Persönlichkeit beeinflusst also, wie eine Katze auf Fremdes reagiert – nicht nur im Verhalten, sondern bis in die Nasennutzung hinein.

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Katzen trauern – und die Forschung hat endlich hingeschaut

Dass Hunde trauern, ist gut dokumentiert. Über Katzen weiß man weit weniger – bis jetzt. Forscherinnen der Oakland University (Michigan) haben 412 Katzenbesitzer befragt, die den Tod eines anderen Haustieres erlebt hatten, und systematisch erfasst, wie sich die überlebenden Katzen in den Wochen danach verhielten.

Das Ergebnis: Die meisten Katzen zeigten nach dem Tod eines Mittieres deutliche Verhaltensänderungen. Sie suchten mehr Körperkontakt mit dem Menschen, verbrachten mehr Zeit allein, schienen nach dem verstorbenen Tier zu suchen, fraßen weniger und schliefen mehr. Diese Muster ähneln dem, was bei Hunden nach dem Verlust eines Sozialpartners beobachtet wurde – obwohl Katzen als deutlich weniger soziale Tiere gelten.

Besonders aufschlussreich: Die Stärke der Verhaltensänderungen hing davon ab, wie eng die Beziehung zwischen den Tieren war. Katzen, die viel Zeit miteinander verbracht hatten, zeigten stärkere Reaktionen. Das deutet darauf hin, dass es sich um echte soziale Bindungen handelt – nicht nur um Gewohnheit oder Reaktion auf die veränderte Haushaltsdynamik.

Ein wichtiger Vorbehalt: Die Daten stammen aus Besitzerberichten. Es ist möglich, dass trauernde Besitzer die Reaktionen ihrer Katzen stärker wahrnahmen oder interpretierten. Dennoch: Die Korrelation zwischen Beziehungsqualität und Verhaltensänderung ist ein starkes Signal.

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Katzen-Report · Ausgabe #13 · 1. April 2026 · 3 Erkenntnisse